Governance-Tests
Woran das Kollaborativ scheitern kann.
Das Kollaborativ ist anspruchsvoll und es löst nicht automatisch alle Probleme. Viele Probleme macht es sogar zunächst sichtbarer.
Typische Herausforderungen sind:
Overhead und Informationsflut. Wenn zu viele Kreise, Meetings und Dokumentationspflichten entstehen, wird die Organisation langsam.
Uninformierter Konsent. Wenn Menschen über Fragen entscheiden sollen, deren wirtschaftliche, rechtliche oder fachliche Grundlagen sie nicht verstehen, entsteht Scheinbeteiligung.
Blockaden. Wenn Einwände nicht sauber geprüft werden, kann Konsent zur Vetokultur werden.
Schattenhierarchien. Wenn formale Rollen unklar sind, entscheiden weiterhin die alten Machtzentren.
Trittbrettfahren. Wenn Mitunternehmertum nicht mit Verantwortung und Beitrag verbunden wird, profitieren manche von Beteiligung, ohne Verantwortung zu tragen.
Geschwindigkeit versus Fairness. Beteiligung braucht Zeit. Manche Entscheidungen müssen aber schnell getroffen werden.
Kapital versus Zweck. Wenn wirtschaftliche Interessen, Auszahlungswünsche oder Investorenlogiken zu stark werden, kann der Zweck der Organisation unter Druck geraten.
Prozessdrift. Verfahren können wichtiger werden als Wertschöpfung. Dann wird das Kollaborativ formalistisch.
Visionsdrift. Umgekehrt kann ein starker Zweck dogmatisch werden und wirtschaftliche Realität verdrängen.
Ein praxistaugliches Kollaborativ muss diese Risiken ernst nehmen. Es braucht nicht nur Prinzipien, sondern auch Korrektive:
klare Zuständigkeiten
begrenzte Beteiligung je nach Betroffenheit und Kompetenz
Entscheidungsfristen
Notfallverfahren
Rollenentzug oder Rollenwechsel bei Nichterfüllung
Konfliktverfahren
finanzielle Mindestleitplanken
regelmäßige Reviews
Dokumentation
Schulung
externe Prüfung oder Begleitung bei Bedarf
Das Kollaborativ ist damit keine konfliktfreie Organisation. Es ist eine Organisation, die Konflikte bearbeitbar macht.