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Realitätsprüfung

Das Kollaborativ: Wertschöpfung als Realitätsprüfung

Ein Kollaborativ muss funktionieren: Es muss Leistungen erbringen, Kosten decken, Kund:innen gewinnen, Qualität sichern, Konflikte bearbeiten, Risiken begrenzen und in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben.

Deshalb ist Wertschöpfung eine zentrale Realitätsprüfung des Modells.

Viele Organisationen, die sich mit Selbstorganisation, Agilität oder Beteiligung beschäftigen, unterschätzen diesen Punkt. Sie investieren viel Energie in neue Meetingformate, neue Begriffe und neue Beteiligungsprozesse. Gleichzeitig bleibt unklar, wie dadurch bessere Produkte, bessere Dienstleistungen, bessere Entscheidungen oder stabilere wirtschaftliche Ergebnisse entstehen.

Das Kollaborativ stellt deshalb die Wertschöpfung in den Mittelpunkt. Es fragt nicht nur, wie Menschen besser zusammenarbeiten, sondern wofür sie zusammenarbeiten. Welche Arbeit erzeugt Wert? Welche Entscheidungen beeinflussen diesen Wert? Wo entstehen Verzögerungen, Doppelarbeit, Qualitätsprobleme oder Verantwortungsdiffusion? Wo liegt das Wissen, das für gute Entscheidungen gebraucht wird?

Eine kollaborative Governance soll Wertschöpfung nicht verlangsamen, sondern stärken. Sie soll Entscheidungskraft näher an die operative Realität bringen. Menschen, die Kund:innenkontakt haben, technische Probleme lösen, Projekte steuern oder Leistungen erbringen, verfügen oft über relevantes Wissen, das in einer klassischen Hierarchie zu spät oder gefiltert bei der Geschäftsleitung  ankommt. Wenn diese Menschen klare Rollen und Entscheidungsräume haben, kann die Organisation schneller und präziser reagieren.

Das bedeutet aber nicht, dass alle alles entscheiden. Wertschöpfende Zusammenarbeit braucht Begrenzung. Jede Rolle braucht eine klare Domäne. Jeder Kreis braucht ein Ziel. Jede Entscheidung braucht einen Ort. Jede Beteiligung braucht einen Zweck.

Eine praktische Kollaborativ-Struktur kann zum Beispiel unterschiedliche Wertschöpfungsbereiche unterscheiden:

Grafik Das Kollaborativ (c) Konrad Bechler
Eine praktische Kollaborativ-Struktur kann unterschiedliche Wertschöpfungsbereiche unterscheiden
  • Ein Kreis für Markt, Angebot und Partnerschaften beobachtet Kund:innen, Märkte, Positionierung und Vertrieb.

  • Ein Kreis für Projekte und Leistung verantwortet Umsetzung, Qualität, Lieferfähigkeit und Kundennutzen.

  • Ein Kreis für Menschen, Kultur und Zusammenarbeit sorgt für Rollenentwicklung, Konfliktfähigkeit, Kompetenzaufbau und gute Zusammenarbeit.

  • Ein Kreis für Betrieb, Finanzen und Systeme sichert Zahlen, Prozesse, Infrastruktur, Liquidität und Compliance.

  • Ein Koordinationskreis verbindet Abhängigkeiten zwischen diesen Bereichen.

  • Ein Topkreis hält die Gesamtperspektive, strategische Leitplanken, Zweckbindung und Grundsatzfragen.

    Diese Struktur ist nur ein Beispiel. Entscheidend ist das Prinzip: Die Organisation wird entlang ihrer Wertschöpfung und ihres Zwecks gebaut, nicht entlang historischer Machtverteilung.

Das Kollaborativ: Überblick und Inhaltsverzeichnis

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Alle Rechte liegen bei Konrad Bechler | CC BY 4.0 Konrad Bechler