Zum Inhalt springen

Rollen

Eine zentrale Wirkung des Kollaborativs liegt darin, Aufgaben von Personen zu lösen.

In vielen Organisationen ist unklar, ob eine Person etwas tut, weil es zu ihrer formalen Position gehört, weil sie historisch dafür zuständig war, weil sie es besonders gut kann, weil niemand anderes es macht oder weil sie Macht darüber behalten will. Das funktioniert eine Weile, erzeugt aber Abhängigkeit.

Das Kollaborativ arbeitet deshalb mit Rollen.

Eine Rolle beschreibt nicht primär eine Person, sondern einen Beitrag zur Organisation. Sie beantwortet Fragen wie:

  • Wofür ist diese Rolle da?

  • Welches Ziel oder welchen Zweck hat sie?

  • Welche Verantwortlichkeiten gehören dazu?

  • Welche Entscheidungen darf sie treffen?

  • Welche Informationen braucht sie?

  • Mit welchen anderen Rollen muss sie zusammenarbeiten?

  • Wann wird überprüft, ob die Rolle noch sinnvoll geschnitten ist?

Rollen machen Arbeit sichtbarer. Sie zeigen, was tatsächlich getan werden muss, damit die Organisation funktioniert. Sie ermöglichen, Aufgaben neu zu verteilen, ohne sofort Personen infrage zu stellen. Sie helfen auch, Überlastung zu erkennen. Wenn eine Person zehn zentrale Rollen hält, wird sichtbar, dass die Organisation abhängig ist.

Für Nachfolgeprozesse ist das besonders wichtig. Die bisherige Unternehmerperson hält oft viele Rollen gleichzeitig: Strategie, Vertrieb, Finanzen, Personal, Qualitätskontrolle, Kund:innenbeziehung, Konfliktlösung, Kultur, Innovation und Letztentscheidung. Solange diese Rollen in einer Person verschmolzen sind, ist Nachfolge schwer. Erst wenn sie sichtbar werden, können sie verteilt werden.

Das Kollaborativ fragt also nicht nur: Wer folgt nach?
 Es fragt: Welche Rollen müssen künftig wie getragen werden?

Diese Frage verändert den Nachfolgeprozess grundlegend. Vielleicht braucht es nicht eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger, sondern mehrere Menschen mit unterschiedlichen Rollen. Vielleicht kann ein Teil der bisherigen Unternehmerrolle in einen strategischen Kreis, ein Teil in einen Finanzkreis, ein Teil in einen Marktkreis und ein Teil in eine formale Geschäftsführungsrolle überführt werden. Vielleicht zeigt sich auch, dass bestimmte Kompetenzen noch fehlen und aufgebaut oder extern ergänzt werden müssen.

Rollen sind damit ein Instrument zur Entpersonalisierung von Macht. Sie machen Verantwortung übertragbar.

Das Kollaborativ: Überblick und Inhaltsverzeichnis

Markiert ist das nächste Kapitel

Pdf-Download Gesamttext

Alle Rechte liegen bei Konrad Bechler | CC BY 4.0 Konrad Bechler