Mitunternehmertum
Mitunternehmertum statt bloßer Beteiligung
Das Kollaborativ will Mitunternehmertum ermöglichen. Damit ist nicht zwingend gemeint, dass jede Person rechtlich Gesellschafter:in oder Miteigentümer:in wird. Gemeint ist zunächst eine Form von Verantwortung: Menschen sollen nicht nur Arbeitspakete erledigen, sondern für Ergebnisse einstehen können.
Mitunternehmertum braucht vier Voraussetzungen.
Erstens braucht es klare Verantwortung. Wer soll welches Ergebnis ermöglichen? Welche Rolle trägt welche Aufgabe? Woran erkennt man, ob die Rolle gut erfüllt ist?
Zweitens braucht es Entscheidungsrechte. Verantwortung ohne Entscheidungskompetenz erzeugt Frustration. Wer für ein Ergebnis verantwortlich ist, muss innerhalb definierter Grenzen auch über Mittel, Wege und Prioritäten entscheiden dürfen.
Drittens braucht es Information. Unternehmerisches Handeln setzt voraus, dass Menschen die relevanten Daten kennen: finanzielle Lage, Kund:innenbedürfnisse, Risiken, Abhängigkeiten, strategische Ziele und rechtliche Grenzen.
Viertens braucht es Rückbindung. Dezentrale Verantwortung darf nicht isoliert werden. Sie muss mit dem Zweck, den anderen Kreisen und der Gesamtorganisation verbunden bleiben.
Mitunternehmertum unterscheidet sich von klassischer Mitarbeiterbeteiligung. Beteiligung kann bedeuten, dass Menschen angehört, informiert oder punktuell einbezogen werden. Mitunternehmertum bedeutet mehr. Es bedeutet, dass Menschen echte Verantwortung für die Organisation übernehmen und dafür auch strukturell ausgestattet werden.
In der Nachfolge wird dieser Unterschied besonders bedeutsam. Ein Unternehmen kann nicht sinnvoll an Menschen übergeben werden, die vorher nie gelernt haben, unternehmerisch zu entscheiden. Umgekehrt entsteht unternehmerische Kompetenz nicht über Nacht durch einen Anteilskauf oder eine neue Organstellung. Sie entsteht durch schrittweise Übertragung von Rollen, Entscheidungsräumen und Verantwortung.
Das Kollaborativ macht diesen Übergang gestaltbar. Es trennt Aufgaben von Personen. Es beschreibt Rollen. Es macht sichtbar, welche Kompetenzen gebraucht werden. Es ermöglicht, Verantwortung schrittweise zu übertragen und zu überprüfen. Dadurch wird Nachfolge weniger ein Sprung ins Unbekannte und mehr ein organisierter Lern- und Übergabeprozess.
Das Kollaborativ: Überblick und Inhaltsverzeichnis
Markiert ist das nächste Kapitel
Pdf-Download Gesamttext
Alle Rechte liegen bei Konrad Bechler | CC BY 4.0 Konrad Bechler