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Kern

Das Kollaborativ ist ein Governance-Modell für zweckorientierte, wertschöpfende und mitunternehmerische Zusammenarbeit. Diese drei Begriffe sind wesentlich.

Zweckorientiert bedeutet: Die Organisation richtet ihre Entscheidungen nicht nur an kurzfristigem Gewinn, persönlicher Macht oder Gewohnheit aus, sondern an einem gemeinsamen Zweck. Dieser Zweck beschreibt, wofür die Organisation da ist, welchen Beitrag sie leisten will und was besser sein soll, wenn sie ihre Arbeit gut macht.

Wertschöpfend bedeutet: Zusammenarbeit muss dem Geschäft, dem Angebot, den Kund:innen, den Nutzer:innen oder der gesellschaftlichen Aufgabe dienen. Beteiligung ist kein Selbstzweck. Das Kollaborativ soll nicht möglichst viel Abstimmung erzeugen, sondern bessere Entscheidungen und tragfähigere Verantwortung ermöglichen.

Mitunternehmerisch bedeutet: Menschen in der Organisation sollen nicht nur ausführen, sondern Verantwortung für Ergebnisse übernehmen. Sie sollen innerhalb klarer Rollen und Kreise unternehmerisch denken und handeln können. Dazu brauchen sie Informationen, Entscheidungsrechte, Kompetenzen und die Möglichkeit, die Organisation mitzugestalten.

Diese drei Ebenen verbindet das Kollaborativ zu einer praktischen Governance-Struktur. Es fragt:

  • Wofür gibt es diese Organisation?

  • Welche Wertschöpfung muss gelingen?

  • Welche Rollen und Kreise braucht es dafür?

  • Wer darf welche Entscheidungen treffen?

  • Wie werden Konflikte und Einwände bearbeitet?

  • Welche Leitplanken sichern Zweck, Wirtschaftlichkeit und rechtliche Verantwortung?

  • Wie wird Macht verteilt, begrenzt und überprüfbar gemacht

Damit unterscheidet sich das Kollaborativ von einer klassischen Hierarchie ebenso wie von einer bloßen Basisdemokratie. In einer Hierarchie werden Entscheidungen vor allem über Position und Weisungsbefugnis gesteuert. In einer Basisdemokratie besteht die Gefahr, dass zu viele Fragen von zu vielen Menschen entschieden werden müssen. Das Kollaborativ sucht einen dritten Weg: Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo Zuständigkeit, Wissen und Verantwortung liegen. Zugleich wird die Gesamtorganisation durch Zweck, Struktur, Verfahren und Transparenz verbunden.

Das Kollaborativ ersetzt persönliche Zentralmacht nicht durch Beliebigkeit. Es ersetzt sie durch eine verbindliche Architektur verteilter Verantwortung.

Das Kollaborativ: Überblick und Inhaltsverzeichnis

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Alle Rechte liegen bei Konrad Bechler | CC BY 4.0 Konrad Bechler