Doppelte Kopplung
Verbindung statt Durchgriff: Doppelte Kopplung.
Eine besondere Herausforderung dezentraler Organisationen besteht darin, Verbindung herzustellen. Wenn Kreise zu autonom werden, entstehen Silos. Wenn sie zu stark zentral gesteuert werden, entsteht wieder klassische Hierarchie.
Das Kollaborativ nutzt dafür das Prinzip der Kopplung. Kreise werden nicht nur von oben angebunden, sondern auch von unten. In soziokratisch geprägten Modellen spricht man häufig von doppelter Kopplung.
Das bedeutet vereinfacht: Ein übergeordneter Kreis ist mit einem untergeordneten Kreis nicht nur durch eine leitende Rolle verbunden. Der untergeordnete Kreis entsendet auch selbst eine Person oder Perspektive in den übergeordneten Kreis. So fließen Informationen, Einwände und Erfahrungen in beide Richtungen.
Diese Verbindung hat mehrere Wirkungen.
Sie verhindert, dass strategische Entscheidungen ohne operative Realität getroffen werden.
Sie verhindert, dass operative Kreise nur lokal optimieren.
Sie schafft Legitimation, weil betroffene Kreise eine Stimme in übergreifenden Fragen haben.
Sie verbessert Informationsqualität.
Sie macht Spannungen früher sichtbar.
Sie reduziert die Wahrscheinlichkeit informeller Machtkanäle.
Doppelte Kopplung ist also nicht nur ein Beteiligungsinstrument. Sie ist ein Steuerungsinstrument. Sie hilft, dezentrale Verantwortung mit gemeinsamer Ausrichtung zu verbinden.
In einer rechtlich verfassten Organisation muss diese Kopplung sauber übersetzt werden. Nicht jeder Kreis ist ein gesetzliches Organ. Nicht jede entsandte Person hat automatisch Vertretungsmacht. Nicht jede interne Entscheidung wirkt nach außen. Deshalb braucht das Kollaborativ eine Unterscheidung zwischen interner Governance und rechtlicher Organverfassung.
Die Kunst liegt darin, beides anschlussfähig zu machen: Die Organisation soll tatsächlich kollaborativ arbeiten können, ohne die rechtlichen Anforderungen an Geschäftsleitung, Aufsicht, Vertretung und Haftung zu ignorieren.
Das Kollaborativ: Überblick und Inhaltsverzeichnis
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Alle Rechte liegen bei Konrad Bechler | CC BY 4.0 Konrad Bechler